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Dossier  V E R K E H R

 

Durchmesserlinie

Neue Variante als Weg aus der Blockierung?

An der gemeinsamen Informationsveranstaltung von Appenzeller Bahnen, Stadt und Quartierverein kam es am 10. November 2010 zu einem Schulterschluss der Vernunft: Der neue Ansatz, die geplante Südrampe samt neuer Station von der Teufener Strasse auf die Rückseite des Quartierzentrums zu verlegen, überraschte – und überzeugte.

Erich Gmünder

Ob es die Lösung der lange blockierten Situation zwischen zwei Kontrahenten ist – hier die Bahn, welche für das zentrale Element der Durchmesserlinie auf den Goodwill des Riethüsli angewiesen ist, da das Quartier, das im Würgegriff des Verkehrs nach jeder Entlastungsmöglichkeit greift - das wird sich bald zeigen. Die Appenzeller Bahnen AG hatte die Deblockierung vorgespurt, wobei selbst Direktor Düsel kein Geheimnis daraus machte, wem der neue Ansatz zu verdanken ist: Dem Gesamtprojektleiter Josef Zuppiger. Er hatte in der Schublade einen Vorschlag gefunden, der von den Ingenieuren belustigt auf die Seite gelegt worden war: nämlich die Idee von Gallus Wirrer, die Station auf die Riethüslistrasse zu verlegen.

Und der Quartiervereinsvorstand hatte den Ball aufgenommen und in einer Gesamtschau eine Abwägung aller Vor- und Nachteile gemacht - nicht nur aus Quartiersicht, sondern auch aus Sicht der Stadtentwicklung und der ökologischen Nachhaltigkeit, und im Wissen darum, dass jede Lösung auch Verlierer hat. In einer Priorisierung entschied sich das «Quartierparlament» schliesslich für jene Variante, welche wohl die glaubwürdigste ist, wenn man der Bahn wirklich eine Zukunftschance geben will.

Und die Betroffenen hatten nach einer eingehenden Auslegeordnung den Mut, am gleichen Abend einen Vorentscheid zu treffen und das Signal für die Planer auf Grün zu stellen, damit die Variante Riethüslistrasse so rasch als möglich bis zur Entscheidungsreife vorangetrieben werden kann. Gesamtprojektleiter Josef Zuppiger, der für sein einfühlsames Vorgehen - sowohl bei den Gesprächen mit betroffenen Anwohnern und Mietern, als auch in seinen wohlüberlegten Voten - auch von den beiden anwesenden Stadträten und dem Stadtingenieur viel Lob entgegen nehmen durfte, sicherte zu, dass die Bahn ihre bisher favorisierte Lösung im Quartierzentrum aufgebe, wenn die Verlegung wirklich eine Chance erhalte.

So darf man nun auf die weitere Entwicklung gespannt sein. Entscheidend ist schliesslich, ob die Einsprachen zugunsten einer besseren Lösung zurückgezogen werden. Dann ist die Deblockierung definitiv geglückt.

Hannes Kundert: "Stärkung des Quartierzentrums"

 

Magazin: Sind Sie zufrieden, wie die AB auf die zahlreichen Einsprachen reagiert haben?

Hannes Kundert: Ja sicher. Die AB haben einerseits ihre Kommunikation verbessert und andererseits dem wichtigsten Punkt der Einsprachen Rechnung getragen. Die 2-jährige Strassenverkehrsumleitung während der Bauzeit durch Quartierstrassen ist vom Tisch, ebenfalls das Portal bei Christen mit 3 hässlichen Betonmauern.

In der Konsultativabstimmung ist eine grosse Mehrheit dem Vorstand gefolgt und hat sich ebenfalls für die DML und den neuen Standort an der Riethüslistrasse ausgesprochen. Verbuchen Sie das als Erfolg?

Ich glaube schon. Der Vorstand konnte zwar nicht wissen, was die anwesenden Bewohner wollen. Jetzt hat sich aber gezeigt, dass der Vorstand mit seiner Präferenz Portal Riethüslistrasse richtig liegt.

Was versprechen Sie sich mit dem neuen Standort für das Riethüsli?

Der Vorstand hofft auf eine Stärkung des Quartierzentrums. Der neue Standort der Bahnhaltestelle liegt so zentral, dass wir hoffen, Restaurant, Läden und Gewerbeschulzentrum in ihrer Erreichbarkeit zu stärken. Weiter hoffen wir, dass die heutigen Autopendler Teufen-St.Gallen künftig häufiger die Bahn benützen. Das bringt dem Quartier etwas.

Auf der Strecke bleiben ein paar Anstösser, welche zu den Verlierern zählen. Was werden Sie Ihnen sagen?

Ich verstehe die Sorgen des einen Hauseigentümers, vor dessen Haus neu die Bahn durchfährt. Wenn wir aber ans erste Projekt denken, wären dort etwa 5 Liegenschaften von der Bahn betroffen gewesen. Nun sind es noch 1-2. Die AB verspricht für die aufzuhebenden Garagen Realersatz zu schaffen, was für die Liegenschaften eine Verbesserung bedeutet. Allen kann man es nie recht machen, aber ich denke, dass mit der Variante Riethüslistrasse für unser Quartier insgesamt die bessere Lösung vorliegt als vor einem Jahr. Ich glaube den AB auch, dass sie alles Erdenkliche versuchen, um auch für die stark betroffenen Liegenschaften eine verträgliche Lösung zu finden.

Was bedeutet jetzt dieser Entscheid für die Petition Strassentunnel?

Die Unterschriftensammlung für einen Strassentunnel geht bis Frühling 2011 weiter. Wir haben von der Hauptversammlung einen klaren Auftrag, uns für eine Entlastung vom Durchgangsverkehr einzusetzen. Wir wollen damit die städtischen und kantonalen Stellen dazu bringen, sich in den nächsten Jahren Gedanken zu machen, wie der Auto- und Schwerverkehr verträglicher unser Quartier passieren kann. Sollte in den Ausserrhoder Gemeinden Teufen, Stein, Bühler und Gais weiter so gebaut werden wie die letzten 10 Jahre, ist mit weiterem Verkehr zu rechnen. Da ist die Riethüslibevölkerung nicht bereit, einfach alles zu schlucken. Dazu müssen heute Lösungen angedacht werden, die später realisiert werden können. Denkbar ist ein Entlastungstunnel zur Autobahn oder ein Ast zur geplanten Südspange. Jedenfalls können wir uns nicht darauf verlassen, dass die neue Appenzellerbahn sämtlichen Mehrverkehr aufnehmen wird.


Interview: Erich Gmünder

Kommentar

Wirkliches Anliegen nicht ernst genommen

Mit der Bahn ist zwar keine Wunschlösung, aber dennoch eine für das Quartier annehmbare Variante gefunden worden. Das Riethüsli musste sich vor allem dem Druck der St. Galler Stadtregierung beugen und sieht sich gezwungen, eine weitere Strasse an den Durchgangsverkehr abzutreten. Es stimmt sehr nachdenklich, wenn nach abendfüllenden Debatten für den öffentlichen Verkehr sogar deren Verfechter und oberste Chefs ins Auto steigen, obwohl doch die Bus- /respektive Bahnhaltestelle näher am Austragungsort liegt als jeglicher Parkplatz. Spätestens zu diesem Zeitpunkt kommt das Gefühl auf, dass zwar Wasser gepredigt, aber selbst von den Verantwortlichen Wein getrunken wird. Ob die neue Haltestelle mitten im Riethüsli-Zentrum mehr Passagiere in die Bahn locken wird, ist mindestens fraglich: Den Anblick leerer Züge sind wir Riethüsler uns ja schon gewohnt.

Auch wenn wir uns dafür zu entscheiden hatten, neben der Teufenerstrasse auch noch die Riethüslistrasse an den Verkehr zu verlieren, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die vom Quartierverein gestartete Petition «Strassentunnel» zeigt gute Ergebnisse. Wie bereits schon in der Riethüslizitig erwähnt, wird kein St. Galler den Appenzellern ihre Bahn streitig machen, denn das machen die nämlich schon selbst. Wenn nur ein Einziger der Einspracheberechtigten bis vor Bundesgericht geht, kann die Durchmesserlinie nochmals 10 Jahre warten. Wenn die Öffentlichkeit nicht belogen wurde, hält das Rollmaterial der Bahn nicht mehr so lange. Wie uns von Bahnverantwortlichen erklärt worden ist, wäre es unsinnig, den Fahrzeugpark mit alten Zahnradbahnen zu ersetzen. Die Appenzellerbahn müsste also wohl Entlastungsbusse einsetzen, die vor allem im Bereich der Innenstadt und der St. Leonhardsbrücke zu Staus führen und die Verkehrsbetriebe von St. Gallen lahmlegen.

Viele begreifen nicht, wenn von Seiten der Stadt immer wieder versichert wird, die Option, die Bahn gleich ganz gegen Busse auszutauschen (Vorschlag Schreier), sei unsinnig. Genau so kann man argumentieren,  dass es im Gegenteil unsinnig ist, nicht darauf einzutreten oder diesen Gedanken wenigstens einmal in Betracht zu ziehen.

Denn das heute schon dringende Privatverkehrsproblem wartet immer noch auf eine Weichenstellung. Wie Herr Zuppiger von der Bahn betont: In 10 – 20 Jahren wird der Privatverkehr um 25 % zunehmen! Die Stadtregierung von St. Gallen will den Privatverkehr «einfrieren». Etwa durch Staus? Die Stadtregierung hört nicht auf unser wirkliches Anliegen. Hoffen wir also auf die Appenzeller Bären …und natürlich auf die Petition des ganzen Quartiers Riethüsli.

Thomas Schmid

Das vollständige Dossier zur neuen Variante Riethüslistrasse - Magazin fürs Nest Dezember 2010

 

Vortrieb abgebremst – Petition

gestartet

Von Thomas Schmid

Der Vortrieb der Propagandamaschinerie für die Durchmesserlinie unter der Ruckhalde ist im Riethüsli und in Teufen auf Granit gestossen. Der bereits von Bund und Kantonen finanzierte Tunnelbau quer durch das Riethüsli, der den Quartierkern unwiederbringlich zerstören  und viele neue Probleme schaffen würde,  droht am Widerstand der Bevölkerung zu scheitern. Gleichzeitig erhält das Riethüsli Unterstützung aus Teufen, wo eine Umfrage zum Liebegg–Strassentunnel Erstaunliches ergeben hat.

In unserer letzten Ausgabe haben wir ausführlich auf den Teufener Vorschlag von Mathias Schreier hingewiesen. Das überraschende Resultat einer Befragung in der Gemeinde Teufen zeigt, dass ein Grossteil der Bevölkerung lieber auf den viel praktischeren und kostengünstigeren Busbetrieb umstellen möchte. Somit wäre der von der Anwohnerschaft unterstützte Liebeggtunnel ein reiner Strassentunnel, was die Kosten wiederum markant senken würde.

Die Entwicklung gibt sehr zur Hoffnung Anlass, dass sich schlussendlich auch die Politiker der Stadt um das Verkehrsproblem St. Gallen Süd kümmern müssen. 25 Einsprachen aus dem Quartier zeugen davon, wie rücksichtslos die Durchmesserlinie durch St. Gallen geplant worden ist. Bis heute ist nicht klar geworden,  ob sich der zu erwartende Verkehrsstau nicht auch zu einem totalen Verkehrszusammenbruch im  Zentrum von St. Gallen, inklusive VBSG, entwickeln könnte.  Bei eingehender Prüfung der Variante Ruckhaldetunnel kommt jedermann zum Schluss, dass man uns hier die „Katze im Sack“ der Appenzellerbahn verkaufen will. Doch die Verkehrsplanung der Stadt St. Gallen sollte kein Tramplaner aus dem Appenzellerland vornehmen. Die Teufenerstrasse ist mit ihren 14‘000 Durchfahrten bereits an der absoluten Leistungsgrenze, in wenigen Jahren steht auch sie vor  dem gleichen Problem wie die Bahn: Ein weiterer Ausbau der Hauptverkehrsachse Riethüsli ist mit zu grossen Opfern für Quartier und Stadt verbunden und damit praktisch unmöglich.

So hat die Diskussion und Abstimmung in der Hauptversammlung des Quartiervereins einstimmig ergeben,  dass es vernünftiger ist,  Verkehrsprobleme zu lösen anstatt sie immer grösser werden zu lassen: Das Riethüsli stützt die verkehrstechnisch absolut begründete Forderung nach einer Umfahrung. Heute verfügen viele kleine Landgemeinden mit weniger Verkehrsbelastung über eine Umfahrung, auch wenn nur 3000 Anwohner davon profitieren. Mit einer Sanierung der Dreckschleuder Teufenerstrasse bleiben  ungleich viel mehr St. Galler vor den Feinstaubemissionen, den Gefahren und dem Lärm des Pendlerverkehrs aus dem Appenzell verschont. Denn jeden Pendler vor und nach Arbeitsbeginn durch die Stadt St. Gallen zu lotsen, kostet unnötig verfahrenen und somit verschwendeten Treibstoff, dessen Rückstände die Stadtbevölkerung einatmet.  

Bisher galten Leute wie Hannes Kundert, die schon vor Jahren eine Umfahrung in Form eines Strassentunnels Liebegg forderten, als Rufer in der Wüste. Die Versammlung der Einwohner empfiehlt nun diesen Strassentunnel einstimmig jedem  Quartiermitglied. Diese Ausbaulösung wird den Anwohnern nicht neues Verkehrsvolumen generieren, sondern uns von der Verkehrsmasse, dem Lärm und dem Feinstaub befreien, indem diese in den Untergrund verlagert werden.

Gerade wegen der geplanten Durchmesserlinie besteht plötzlich die einmalige Chance, diesen Strassentunnel mit dem öffentlichen Verkehr zu koppeln, also auch die Züge durch die gleiche Röhre zu führen, wenn sich die Appenzeller nicht von ihrer Bahn trennen wollen. Anstelle von zwei Röhren würde nur eine benötigt. Auch finanziell ist diese Lösung sehr viel interessanter als Individuallösungen durch dichtbesiedeltes Stadtgebiet.    

Darum für „Strassentunnel“ 

Aber noch ist der jahrelange Aufriss des Riethüsli nicht aufgehalten. In einer Stellungnahme im Tagblatt anerkennt der VCS, dass erst ein Erfolg der Petition Strassentunnel  das Projekt einer Durchmesserlinie erheblich gefährdet. Wie man weiss, ist das Riethüsli einer neuen Bahnverkehrslösung nicht abgeneigt: Aber die brachiale Idee, unser Quartier jahrelang diagonal aufzureissen, um damit unser komplettes Zentrum und grosse Teile St. Gallens lahmzulegen, hat die Einwohnerschaft aufgeschreckt. Im Gegensatz dazu bringt eine Umfahrung allen Bewohnern Vorteile. Wenn wir uns nicht demokratisch wehren, kommen wir in den fraglichen Genuss einer unzureichenden Schmalspurlösung, die für uns überhaupt keine Vorteile bringt, dafür umsomehr belastet. 

 2 Jahre Stau mit Bus und Auto: Alleine dies ist ein Grund, den beiliegenden Petitionsbogen so schnell wie möglich unterschrieben zu retournieren, wie dies die Hauptversammlung, das Konsultativorgan des Riethüsli, empfiehlt. Aber selbst wenn wir unseren Strassentunnel nicht erreichen sollten: Besser gar keine Variante als dieser rücksichtslose Vorschlag der Appenzellerbahn!

Hier geht's zum Dossier der August-Ausgabe 2010

AB bestimmen Gesamtprojektleiter

Die Appenzeller Bahnen haben den Berner Kulturingenieur Josef Zuppiger zum neuen Gesamtprojektleiter der Durchmesserlinie (DML) gewählt. Er habe die Aufgabe, "in Zusammenarbeit mit dem Projektleiter der Appenzeller Bahnen, Oliver Schatzmann, sowie mit den Projektpartnern, insbesondere mit der Stadt St. Gallen, verschiedene Varianten zum geplanten Tunnel in der Ruckhalde unter Einbezug der Argumente der Einsprecher zu untersuchen. Parallel dazu behandelt das Bundesamt für Verkehr BAV die Einsprachen zum Teilprojekt Ruckhalde." Laut der Medienmitteilung soll die Bevölkerung Mitte 2010 über den neusten Stand informiert werden.

 

VCS kritisiert Riethüsli-Petition

Die Idee eines Autotunnels im Riethüsli ist gemäss VCS «unsinnig und unbezahlbar». Mit seiner geplanten Petition bringe der Quartierverein den Bahntunnel endgültig zum Scheitern. Der Quartierverein Riethüsli unterstützt die Idee eines Autotunnels von der Liebegg bis zur Stadtautobahn beim Anschluss Kreuzbleiche. An der letzten Hauptversammlung beschlossen die Mitglieder eine entsprechende Petition zu lancieren. Nun meldet sich der Verkehrsclub St. Gallen-Appenzell (VCS) zu Wort und kritisiert den Quartierverein scharf. St.Galler Tagblatt 4. Juni 2010

weiter zur VCS-Mitgliederzeitschrift Lokal des VCS St.Gallen (ab S. 18)

Der Teufner Geschäftsmann Mathias Schreier zeigt, wo er den Durchgangsverkehr aus dem Appenzellerland ins Tunnel direkt zur Stadtautobahn umleiten möchte.

Ist das die Lösung?

Während das Riethüsli noch damit beschäftigt ist, den Schock zu verarbeiten, den die Pläne der Appenzeller Bahnen, den gesamten Durchgangsverkehr für zwei Jahre durch die Quartierstrassen umzuleiten, hier ausgelöst haben, geht ein Teufner in die Offensive. Er zeigt einen Weg, wie das Verkehrsproblem zu lösen wäre: Mit einer direkten Tunnelverbindung zwischen der Liebegg und dem Autobahnanschluss Kreuzbleiche.

Von Thomas M. Schmid

Obwohl noch immer Verhandlungen geführt werden, die eine annehmbare Lösung anstreben, ohne aus unserem Quartierkern eine Zugsauffahrtsrampe zu machen, erweist sich eine andere Lösung als sehr schwierig, da sich der Pendlerverkehr nicht ohne grosse Probleme umleiten lässt.

Der Stadtingenieur von St. Gallen betont, dass es nicht sehr nachbarschaftlich wäre, das Riethüsli während der Bauperiode für den Durchgangsverkehr zu sperren und den Verkehr umzuleiten. Umso nachbarschaftlicher wäre es wohl, sämtliche Emissionen vom Riethüsli alleine tragen zu lassen. Nur ist dies nicht möglich:

Will man die Zugsauffahrt weiter gegen die Liebegg verlegen, wie das der Quartierverein verlangt, könnten unsere Quartierstrassen nicht als Autobahnzubringer zwischen dem Appenzellerland und der Autobahn St. Gallen eingesetzt werden. Durch den langen Rückstau würde der Privatverkehr sich folglich andere Wege durch St. Gallen suchen, selbst wenn das Riethüsli nicht für den Durchgangsverkehr gesperrt würde. Anstatt nur im Riethüsli grossen Schaden anzurichten, wäre also die ganze Stadt von langen Staus betroffen. 

Wo bleiben die Politiker?

In ihrem Bestreben, sich vom Milliarden- Subventionskuchen des Bundes für den öffentlichen Verkehr auch ein Stück für die Ostschweiz zu sichern, haben es die Politiker versäumt, die Problematik der Bauphase für  die ganze Stadt St. Gallen zu bedenken.

Ein Verkehrszusammenbruch in der Stadt über fast 2 Jahre ist anzunehmen, wenn der Pendlerverkehr des gesamten Appenzellerlandes über andere Einfallstrassen in unsere Stadt hereinbricht, während das Riethüsli Grossbaustelle sein soll. Allzu blauäugig wurde das Projekt der Bahn von der Politik begrüsst, ohne dass sich jemand mit der Problematik auseinandergesetzt hätte.


Kombi-Tunnel für Auto und ÖV

Unerwartet bekommt unser Quartier aber nun Hilfe aus dem Appenzellerland selbst, wo die ungebremste Bauwut des Schmalspurbähnchens auf immer grösseren Widerstand stösst und innerhalb kürzester Zeit 1500 Unterschriften gegen die Durchmesserlinie gesammelt wurden.

Der Teufener Vorschlag fordert nun  radikal die Umstellung vom Bahn- auf Busbetrieb. Zu diesem Zweck soll eine attraktive  Tunnelverbindung von der Liebegg direkt zum Autobahnanschluss Kreuzbleiche mit Bus-Abzweiger zum Bahnhof geschaffen werden, also eine Kombination von öffentlichem und Individualverkehr. Weder das Bähnchen noch die Autos würden nach dieser Variante weiter das Riethüsli belasten.

Einige Bewohner des Riethüsli werden sich daran erinnern, dass bereits im Jahre 2004 von Quartiervereinspräsident Hannes Kundert ein solcher Tunnel, der unser Quartier vom Durchgangsverkehr befreien würde, gefordert worden ist. Damals wurde dieser Vorschlag als nicht dringlich abgelehnt. Es erschien nicht angebracht, dass St. Gallen im Alleingang einen Tunnel für die Appenzeller Pendler erstellen sollte.

Mit dem Teufener Vorschlag könnte sich die Sachlage nun aber zu Gunsten einer nachhaltigen Lösung unseres Verkehrsproblems wenden. Nicht zuletzt ökologische Gründe sprechen heute nicht mehr prima vista für eine Bahnlösung.

Aus ökologischer Sicht

Die mitten durch dichtbesiedelten Wohnraum führende Teufener Strasse wird momentan als  Ersatz des fehlenden Autobahnstückes ins Appenzellerland genutzt. Auf der kurzen Strecke befinden sich nicht weniger als 21(!) Fussgängerstreifen und 8 Lichtsignale, die den Verkehr in kraftstoffintensive Stop-and-Go-Fahrten zwingen.

Ausserdem sorgt die steile Steigung für einen starken Druck auf das Gaspedal. Oft muss man wegen der vortrittsberechtigten Busse bremsen und Energie vernichten. Manche Bushaltestellen und Abzweigungen sorgen zusätzlich dafür, dass die Fahrzeuge oft im Leerlauf warten müssen. Diese Fahrweise mit vielen Kurven und Hindernissen ist mit einem hohen Treibstoffverbrauch verbunden.

Neben Lärm, Rückstau und hohem Co2-Ausstoss ist vor allem der Feinstaub eine lebensgefährliche Komponente, vor allem mitten im Wohngebiet. Unter dem Argument der Feinstaubkontrolle wurden die Verantwortlichen der Erst-Augustfunken von St. Gallen vor die Richter zitiert, weil einige Paletten verbrannt worden sind.

Anstatt solche Haarspaltereien auf die Spitze zu treiben, könnte mit einem Tunnelprojekt der Feinstaub-Ausstoss von täglich fast 14‘000 Fahrzeugen mitten im Stadtgebiet gefiltert werden. Einfache Systeme dafür gibt es bereits, man muss sie nur endlich umsetzen.

Wenn nun dazu auch noch die ganze Strecke im gleichmässigen Tempo ohne Bremsmanöver auf einer ausgeglichen sanften Steigung befahren werden könnte, wie dies im Tunnel möglich wäre, könnten jährlich mehrere hunderttausend Liter Kraftstoff eingespart werden, womit Riesenmengen des Treibhausgases Co2 eingespart würden. Dies ist sicherlich sinnvoller, als irgendwo im Ausland mit grossen Beträgen dieses Gas kompensieren zu wollen.

Dass der Lieblingsfeind der Grünen, der Offroader, der im Appenzell wegen der Schneemassen und als Arbeitsgerät besonders häufig anzutreffen ist,  aus dem Stadtbild verschwindet, dürfte ein weiteres Argument sein.

Dies alles und zusätzlich eine verkürzte Wegstrecke ohne Windungen würde alleine mit einem 2,8 km langen Tunnel erreicht, der mit einem Bruchteil des Betriebsaufwandes für das geplante neue Schienensystem auskäme. Mit der Ausführung der Durchmesserlinie würde derEnergiebedarf dank Viertelstundentakt sogar fast verdoppelt.

Es ist kein Projekt der Appenzellerbahn bekannt, das diesen Mehrverbrauch mit erneuerbaren Energien zu decken versuchen würde. Mit der Buslösung entfällt auch das starke Gift, das die Bahnen jedes Jahr tonnenweise versprühen, um das Trassee unkrautfrei zu halten. Wäre dieser kombinierte Tunnel kein Autoprojekt, so würde jeder grüne Politiker lautstark um seine Realisierung kämpfen, denn eine grössere Verschwendung von Treibhausgas, Feinstaub und Energie als diese Teufener Strasse unnötigerweise verursacht,  gibt es kaum.           

Aus finanzieller Sicht

Aus Gründen der Sicherheit, des Platzbedarfes, aber auch der hohen Kosten wegen wurde in St. Gallen schon vor Jahrzehnten richtig erkannt, dass das Tram für unser bergiges Gebiet nicht die Ideallösung darstellt.  Die VBSG benötigen zwar auch einen Zuschuss öffentlicher Gelder von rund 9 Millionen Franken, dafür aber ist die Erschliessung mit dem Bus, der auch Randgebiete wie etwa Oberhofstetten erschliesst, im Vergleich zur Bahn vergleichsweise geradezu fantastisch, bei geringstem Platzbedarf und grosser Flexibilität.

Demgegenüber nimmt sich die Appenzellerbahn, die viermal weniger Passagiere befördert, aber etwa 24  Millionen Franken öffentliche Steuergelder im Jahr erfordert, schon heute unverhältnismässig aus.

Wenn man dazu bedenkt, dass die Appenzellerbahn vom Halbstunden- auf den Viertelstundentakt übergehen will, also ihre Kapazität um 100 Prozent steigern will,  ist anzunehmen, dass sich die jährlichen Zuschüsse entsprechend erhöhen. Denn um doppelt so viel zu fahren, braucht es doppelt soviele Züge, Zugführer, Energie und kürzere Unterhaltsintervalle.

Ob es also eine gute Idee ist, wegen eines einmaligen Zuschusses vom Bund in der Höhe von 40 Mio. Franken etwa die gleiche Summe jährlich vom Steuerzahler fordern zu müssen,  muss dringend abgeklärt werden. Bereits heute wird jede einzelne Bahnfahrt mit durchschnittlich Fr. 3.91 subventioniert.

Das neue Angebot der Bahn wird, wie aus den Unterlagen hervorgeht,  nicht mehr als einen einstelligen Prozentsatz an Umsteigern bewirken. Denn nicht alle Arbeitsstellen der Pendler befinden sich in der Stadt St. Gallen und sind einfach mit dem öffentlichen Verkehr zu erreichen.

Die Folgen für unser Quartier

Die zahlreichen Einsprachen beweisen, dass die Bauphase der geplanten Durchmesserlinie für das Riethüsli katastrophal wäre. Neben dem Fakt, dass das ganze Quartier für 2 Jahre zu einer einzigen Baugrube mit den überall hör-und spürbaren Emissionen verkommen würde, mit allen Folgen des Staus für die Anwohnerschaft und die schwächeren Verkehrsteilnehmer wie Kinder und Alte, sind weitere Folgen im Moment nicht kalkulierbar.

So ist zu befürchten, dass unser Quartierladen aufgeben müsste und auch die Post wegen schierer Unerreichbarkeit und Parkplatzmangel in Zeiten des Poststellen-Abbaus existenzielle Probleme bekäme. Auch der „Im Grund“ dürfte von einem Massenexodus betroffen sein.

Im Riethüsli könnte Billigstwohnraum entstehen, der vor allem durch anspruchslosere Ausländer besiedelt würde. Wie auch unsere ausländischen Mitbewohner versichern, hat das Quartier bis anhin dank einer vernünftigen Durchmischung keinerlei Probleme mit der Integration, was sich schlagartig ändern könnte, wenn plötzlich langjährige Bewohner wegziehen.

Lebensqualität zurückgewinnen

Im Gegensatz dazu würde die Wohnlage erheblich aufgewertet, wenn dank eines Umfahrungstunnels die Zweiteilung des Riethüsli aufgehoben würde. Dass dies nicht nur Einfluss auf unser aller Gesundheit hätte und eine sprunghafte Steigerung der Lebensqualität bewirken würde, sondern auch einen positiven Einfluss auf die Grundstückspreise hätte, ist keine reine Spekulation.

Mitten im Quartierzentrum könnte eine Art Dorfplatz eingerichtet werden, Ort der Besinnung, des Spiels und der Zusammenkunft von Jung und Alt. Dass wir mit einer Umfahrung die lebensfeindliche Hauptstrasse in eine gemütliche Quartierstrasse umbauen können, wo neben einer schnelleren Busspur sogar noch ein Velostreifen Platz hat, ist mehr als ein Hirngespinst.

Bütschwil und Wattwil machen es vor!

Mit ganz anderen Kellen wird im Toggenburg angerührt. Nach den Bazenheidern sollen nun auch die Bütschwiler ihre Umfahrung erhalten: 200 Mio. Franken kostet das Bauwerk. 90 Prozent der Bütschwiler sprachen sich anfangs Februar in einer Referendumsabstimmung für den Bau aus. Bütschwil hat eine durchschnittliche Tagesbelastung von 15´276 Fahrzeugen, davon 5 Prozent Lastwagen, und an Sonn- und Feiertagen bis zu 25 Prozent höhere Spitzenbelastungen.

Zum Vergleich: I: An der Teufenerstrasse im Bereich Nestweiher wurde 2008 eine durchschnittliche Tagesbelastung von 13´800 gemessen, gegenüber 12´325 im Jahr 2004. Die Spitzenbelastung an Ausflugstagen dürfte ebenfalls einiges höher liegen.

Vergleich II : Bütschwil hat eine Wohnbevölkerung von 3359 Einwohner (2008). Das Riethüsli zählt rund 4100 Einwohner. Dazu kommen noch unzählige weitere Einwohner anderer Stadtquartiere, welche durch den Schleichverkehr betroffen sind.

Und Vergleich III : Die Umfahrungsstrasse von Wattwil (2. Teil) kostet 125 Millionen. Die maximale Verkehrsbelastung beziffert die Regierung mit 12´000 Fahrzeugen (2008). EG

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