Wie erleben Jugendliche unser Quartier?

So denken Jugendliche von unserem Quartier Riethüsli

Die Redaktion der Quartierzitig Riethüsli lud die jungen Quartierbewohner zum Gespräch. Sieben Junge, ausschliesslich männlichen Geschlechts und mehrheitlich mit ausländischen Wurzeln,  folgten der Einladung in den Pavillon der kath. Kirche und diskutierten mit ehemaligen Jugendlichen, die im Quartier aufgewachsen sind, sowie Vertreterinnen und Vertretern der Kirche und des Quartiervereins. Das Gespräch wurde von Erich Gmünder moderiert und von Wendelin Reinhardt  mitgeschrieben. Wir veröffentlichen das Gesprächsprotokoll in vollem Umfang.

„Ich bin froh, hier aufgewachsen zu sein“ (Marco)

Moderator: Wenn ihr jemandem sagt: „I wohn im Riethüsli“ – was sind die Reaktionen bei Gleichaltrigen?

Qendrim: Dann fragen sie: „Wo ist das?“ „Mit dem 5er-Bus, Richtung Lustmühle, Teufen… Und wenn sie schon mal da gewesen sind, finden sie das schon easy.“

Arber: Es gibt keine grossen emotionalen Antworten, wenn wir sagen: „Wir kommen aus dem Riethüsli.“ Es ist ok.

Dario: Ich denke, das Quartier ist von der GBS her schon vielen Jungen bekannt.

Marco: Riethüsli ist ein ruhiges „Örtli“. Z.B. Lachen, da ist ein grosser Anteil Ausländer, das gibt öfters Meinungsverschiedenheiten. Im Riethüsli ist nicht viel los. Was wir haben, ist die grosse Fussballwiese der GBS, dort versammeln sich mega viele Leute. Ich kann mich nicht beklagen. Habe nie was Negatives über das Riethüsli gehört. Ich bin froh, hier aufgewachsen zu sein – hier aufzuwachsen.

Dario:  Es ist doch überall gleich, egal, wo du wohnst. Das Riethüsli ist ok.

Moderator: Wenn ihr euch an eure Primarschulzeit erinnert, wie schätzt ihr das Quartier ein? Ist es kinderfreundlich?

Semi:  Wir haben viel hier oben gehabt, die Spielwiese, den „Schnellsten Riethüsler“ in der Primarschule, Fussballturniere… Ein Fussballturnier bringt Leute zusammen.

Moderator: Welche Freizeitangebote habt ihr, nutzt ihr, braucht ihr?

Dario: Ich finde es schade, dass die Goals auf dem GBS-Fussballplatz abgeschlossen sind. Sie sollten doch für alle zugänglich sein.

Marco:  Sonst gibt es nicht viel[e Angebote]. Ich verstehe es, dass die Goals abgeschlossen werden, Jugendliche würden sie nicht versorgen. Sie würden kaputt gehen. Hier oben war es nicht anders [auf der Spielwiese zwischen Schulhaus und Pavillon]. Es gab Vandalismus, Tornetze wurden zerschnitten, Mauern wurden angesprayt…

Qendrim: Es gibt viel zuwenig Angebote. Es gibt im Riethüsli drei [Turn]Hallen. Keine davon steht uns zur Verfügung. Wir spielen jeden Sonntag draussen Fussball. Das wird jetzt immer kälter. Es gab mal einen Fussball-Club hier. Der FC Riethüsli, ein Fünft-Liga-Club. Man könnte auch Basketball spielen (wenn wir Zugang zur Turnhalle hätten…

Daniel: Wir haben probiert, so ein Angebot zu schaffen. Und wir haben sowohl bei der Stadt als auch bei Herrn Broder auf Granit gebissen. Nicht mal für ein einmaliges Turnier liess man uns in die Halle. Uns wurde kein Vertrauen entgegengebracht.



„Es gibt im Riethüsli drei Turnhallen. Keine davon steht uns zur Verfügung“ (Quendrim).
Moderator: Wir haben hier eine Petition für ein Altersheim im Riethüsli.
Was meint ihr [Jungen] dazu? Marco: Ich fände das nicht schlecht. Das Riethüsli ist doch dafür genau passend: ruhig, man ist schnell in der Stadt, es hat einen Laden, einen Beck, eine Post, neu einen Kebab-Laden. Das wär doch nicht schlecht.
Ok, wir müssten dann vielleicht ab und zu länger anstehen [im Laden oder in der Post]. Moderator: Wie seht ihr eure Zukunft im Quartier?
Nach der Stifti nichts wie weg? Oder wie muss ich mir das vorstellen? Arber: Ich hab soweit noch nicht überlegt. Moderator: Und wenn du es dir jetzt überlegst? Mit Familie, Kindern? Arber: Ja, mit Kindern könnte ich mir gut vorstellen, hier zu leben. Das Quartier ist eigentlich in Ordnung. Es passt alles. Ich fühle mich hier wohl, und das ist doch das Wichtigste.
Qendrim: Es ist eine ruhige Gegend. Und doch hat man alles zur Verfügung. Moderator: Wo verbringt ihr eure Freizeit? Marco: Überwiegend in der Stadt: Zum Ausgang (am Freitag und Samstag) treffen wir uns dort mit Kollegen, trinken eins, gehen ins kugl, wo wir tanzen oder sonst was unternehmen.
Wenn es hier wieder einen Jugendtreff gibt, könnte man sich aber schon überlegen, ob man Kontakt aufnimmt, mit jemandem hier Tischfussball spielen oder sonst was, Fussball auf dem Hartplatz… Arber: Ja, wir sind mehrheitlich in der Stadt.
Oder wir suchen uns ein ruhiges Plätzli im Quartier. Den Rest der Zeit verbringen wir beim Arbeiten oder in der Schule. Arber P.: Wir verbringen die Freizeit mehrheitlich in der Stadt. Oder zuhause. Beim Gamen oder so.



„Das Quartier ist eigentlich in Ordnung. Es passt alles.
Ich fühle mich hier wohl, und das ist doch das Wichtigste“ (Arber) Qendrim: Wann bin ich hier oben? Zum Schlafen, oder ich geh kurz aus dem Haus, um eins zu rauchen. Was machen wir noch? Hängen.
Am Sonntag spielen wir meistens Fussball. Wo wollen wir sonst hin? Ein Jugendtreff wäre was Gutes. Tischfussball. Oder Billard. Kontakt mit anderen Jugendlichen. So um 20 Uhr, bevor wir ins kugl oder so gehen. Oder auch unter der Woche. Ein Fernseher wäre auch gut, man könnte zusammen Fussballspiele schauen…
Joël: Ich orientiere mich mit Kollegen eher „gegen unten“ [Stadtzentrum]. Ja, am Sonntag Billard spielen hier drin, da wäre ich dabei. Jeden Sonntag nur Fussball spielen ist nicht wirklich das Beste. Marco: Die Eltern wären zu Recht auch beruhigter, wenn wir in einem Jugendtreff unter Aufsicht die Zeit verbringen.
Mir ist klar, ein Billardtisch kostet auch Geld, das man erst zusammen bringen müsste.
Alessandro: Dem Riethüsli fehlt ein Platz wie das kugl. Früher hatte St. Georgen den Adler, wo Jung-Bands ihre ersten Auftritte haben konnten. Ausser der GBS-Bühne gibt es im Quartier keinen Ort für Konzerte, Partys.
Als wir hier drin mal eine Disco veranstaltet hatten, hat der ganze Pavillon gewackelt. Musik verbindet sehr. Moderator: Bezüglich Bedürfnissen der Jugend – Was ist anders heute als früher? Franziska Haller: Als ich als Jugendliche hier im Quartier gelebt habe, war es nicht anders, unsere Freizeit verbrachten wir in der Stadt, als wir ins entsprechende Alter kamen.
Das war normal und heisst nicht, dass uns hier was gefehlt hätte. Einen Jugendtreff gab es nicht und er war auch kein Thema.
Meinen „Sek.-G’spänli“ hätte ich nicht gesagt: „Kommt doch ins Riethüsli!“ Ich war auch ein paar Jahre im Blauring, wo ich aber nie sehr integriert war, da ich nicht von Anfang an dabei gewesen war.
Es gab da einen harten Kern von langjährigen Mitgliedern und war auch etwas stark katholisch geprägt. Was für mich ebenso zutrifft, wie für die Jugendlichen, die heute hier sitzen, ist die Tatsache, dass ich zufrieden war mit dem, was mir das Quartier zu bieten hatte.
Daniel E.: Wir deckten im Bunker [alternativer Jugendtreff nach Schliessung des Angebots von der kath. Kirche] eine Altersspanne von 14-18 Jahren ab. In unserer Blütezeit kamen Leute aus Teufen, Lachen… Hannes Kundert: Eine Frage an die Jugendlichen: Was braucht es für einen Jugendtreff? Ich finde es erfreulich, dass ihr im Ganzen zufrieden seid mit den Möglichkeiten im Quartier.
Man kann den Status Quo durchaus auch als positives Zeichen werten: In der Stadt werden meist dort als erstes Jugendtreffs eingerichtet, wo Jugendliche Probleme machen. Moderator: Was ist heute anders als früher? Stefan Christen, wie war es vor 25 Jahren?
Stefan Christen: Ich bin erstaunt, dass es heute noch gleich ist: wie wir damals, so sind auch die Jungen von heute voll zufrieden mit dem Quartier. Ich stelle fest, dass man den Jugendlichen damals mehr Vertrauen entgegenbrachte als ihr das heute schildert.
Man gab uns einen Schlüssel für die Turnhalle, so konnten wir die Flutlichter anschalten, wenn wir nachts auf dem Platz spielen wollten und die Goals waren uns frei zugänglich. Die Jungwacht war ein wichtiger Treffpunkt. Viktor Staub, der damalige Pfarrer, war sehr liberal und stellte einen Leiterraum, wo wir jederzeit rein konnten. Der Skiclub war früher sehr viel aktiver. Es gab mehrere Fussballturniere pro Jahr und „Spiele ohne Grenzen“… Die Jungwacht gibt es noch: Riethüsli-Stassen Otmar. Die Jungwacht war unsere Clique, sie ersetzte den Jugendtreff. Stefan Staub: Jungwacht und Jugendtreff lassen sich nicht so gut vergleichen. Die Jungwacht ist verbindlicher organisiert. Ein Jugendtreff ist niederschwelliger, man kann kommen und gehen. Ich denke, dass die verbindlichen Strukturen der Jugend-Verbände für Jugendliche heute abschrecken können. Franziska Haller: Ich erinnere mich: mit 16 Jahren, als wir unsere ersten Male ins Ozon gingen, mussten wir warten, bis es endlich um 22 Uhr die Türen öffnete. Die Zeit bis dahin war die Frage: Wo treibt man sich rum? „Ich stelle fest, dass man uns Jugendlichen damals mehr Vertrauen entgegenbrachte als ihr das heute schildert“ (Stefan Christen)

Moderator: Was war das Problem mit den bisherigen Jugendtreff-Projekten?

Stefan Staub: Wir mussten unseren Jugendtreff aus sicherheitstechnischen Gründen wieder schliessen. Die Polizei hatte mehrmals kommen müssen, wegen Drogendealens, Lärmklagen… Der Jugendtreff war sehr bekannt geworden und wurde auf einmal in Beschlag genommen von Leuten von irgendwo. Die offene, niederschwellige Struktur wurde ausgenützt. Von jungen Leuten, die sich bandenmässig organisierten. Ich wollte nicht mehr Polizist spielen. Davor war es sehr gut gelaufen. Wir hatten freitags Discos und Diskussionsrunden

Alessandro: Die Themen konnten die Jugendlichen selber einbringen. Sie übernahmen auch sonst viel Verantwortung.

Stefan Staub: Wir hatten die Themen Sexualität, Aufklärung, Lebenssinn…

Alessandro: Von vielen Quartieren kamen viele Leute, es muss weitherum ein grosses Bedürfnis gewesen sein.

Moderator: Ihr wurdet zum Opfer eures eigenen Erfolgs?! Hat der Schutz der Anonymität den Missbrauch begünstigt…

Stefan Staub: Im Bunker verlangten sie Eintritt, es gab Pässe, das war eine Art Club.

Qendrim: Ausweiskontrolle ist aus meiner Sicht übertrieben.

 

Moderator:  Besucht ihr auch Angebote des flon (Jugenkulturraum im Lagerhaus)?

Marco:  Die Angebote im flon sind zuwenig regelmässig. Da singen alle zwei Wochen ein paar Rapper ihre Liedchen vor, das ist nicht, was wir meinen. Aber wenn wir, so wie Alessandro vorschlägt, Konzerte veranstalten, müssen wir aufgrund der Jugendkriminalität sofort zwei „Kleiderkästen“ vor den Ausgang stellen. Das ist leider so.

Moderator: Und der Bunker? Was läuft dort heute? Wer bietet das an?

Jeannine Oertle:  Der richtet sich heute an Jugendliche der 6. Klasse und der ersten Oberstufenklassen. Sie schauen dort Filme und spielen Games. Initiiert wurde das Projekt von evangelischen Müttern.

Stefan Staub:  Im Nachhinein kann ich sagen, ich war naiv. Ich kam vom St. Galler Oberland in die Stadt und auf einmal war hier eine Horde von Leuten; wir mussten auch schon selber die Polizei rufen, weil Ruhestörer nicht mehr gehen wollten. Da waren gut und gerne 150 Jugendliche, die hier zeitweise aus- und eingingen.

Jeannine:  Wenn mal was gut läuft, spricht sich dies schnell herum, die Jugendlichen sind gut vernetzt. Mit Handys… Eine Frage an euch [Jugendlichen]: Was wärt ihr bereit, beizutragen [zu einer Jugendtreff-Initiative]? Nur von den Erwachsenen lebt es nicht. Könnt ihr euch eine Mitarbeit vorstellen?

Marco:  Ja klar. In unserem eigenen Interesse. Qendrim ist bekannt im Riethüsli. Wir könnten den Treff zu einem Teil selber leiten. Und mit Leuten, die stören, könnten wir reden. Wir würden sie bitten zu gehen…

Qendrim: Wir würden sicher helfen! Leiten, hier sein, für Ordnung sorgen.

Stefan Staub: Und wenn Jugendliche von anderen Quartieren kommen?

Marco: Andere können schon kommen, solange sie sich an die Ordnung halten.

Jeannine: Hier in diesem Raum?

Marco:  Der Bunker wäre fast passender: massiv, aus Beton, und der Lärm wäre auch kein Problem. Wichtig wäre auch eine bessere Beleuchtung der Umgebung hier.

„Die Probleme waren damals erst aufgetreten, als der Bunker eine Art regionaler Treffpunkt wurde. Die Sache wuchs uns über den Kopf“ (Daniel Eggenberger)

Moderator: Ist das realistisch? Heute noch machbar?

Daniel: Die Probleme waren damals erst aufgetreten, als der Bunker eine Art regionaler Treffpunkt wurde. Die Adressen der Jugendlichen aus dem Quartier waren uns ja bekannt. Aber der Raum wurde zur Zuflucht für Jugendliche aus Aussenquartieren, wo solche Angebote teilweise fehlten. Und als wir auch noch von Leuten aus der gewaltbereiten Szene in Wittenbach heimgesucht wurden, wuchs uns die Sache über den Kopf.

Marco:  Der Bunker war auch zuwenig autoritär geleitet. Ihr hättet eine klare Linie ziehen können. Und klar machen: Wer sie übertritt, fliegt raus!

Daniel: Es wäre an sich kein Problem, wieder einen Jugendtreff auf die Beine zu stellen. Ihr müsst euch einfach im Klaren sein, dass das für mich 10-12 Arbeitsstunden pro Woche bedeutete. Und wir brauchten ein Jahr für den Aufbau (für das Technische, die Organisation, Reinigung, Unterhalt…) Das war alles in allem sehr viel Arbeit, die wir uns aufteilten. Wir waren kein Verein. Hatten das ursprünglich für uns selber gemacht und wuchsen allmählich in die Aufgabe hinein. Wir wurden mit der Erfahrung immer besser organisiert. Das Projekt war selbst tragend. Wir waren ein paar Kollegen, kein Verein. Bewährt war die Struktur, dass einer das Sagen hatte und die andern das Veto-Recht. Es kamen mehrere Gründe zusammen, weshalb wir damit aufhörten. Wir sind selber aus dem Alter raus gekommen, haben die Leute nicht mehr gekannt.

 

Moderator:  Ich möchte zur Abschlussrunde kommen. Was ist euer Fazit aus diesem Gespräch? Was bleibt hängen?

Qendrim:  Ich würde gerne etwas unternehmen. Wir könnten doch ein Wintergrümpeli organisieren, in der Halle. Wir würden uns freuen, wenn die Alten gegen uns Junge antreten würden, was meinen Sie, Herr Christen? Wir sind sicher 20 Jugendliche auch von der Oberhofstetten, die regelmässig Fussball spielen und etwas können. Das würde doch Spass machen.

Marco: Mit Startgeldern könnten wir Geld sammeln für weitere Unternehmungen.

Moderator: Und wie sieht es mit eurer Forderung aus, regelmässig in einer Turnhalle spielen zu können? Wie liesse sich das organisieren? Wer schliesst die Halle auf usw?

Qendrim:  Das müsste doch machbar sein. Ich habe selber, von meinem eigenen Geld, ein ganzes Jahr lang die Turnhalle im Grossacker gemietet. Für 360 Franken.

Hannes Kundert:   Jemand müsste verantwortlich sein, aufräumen, das Licht löschen, abschliessen…

Moderator: Wer bleibt da dran? Das ist doch eine wertvolle Jugendinitiative. Und die Infrastruktur dafür ist schon vorhanden. Man müsste das via Schulamt und Schulleitung regeln können.

Wendelin Reinhardt:Und von Seiten der Jugendlichen muss auch eine Ansprechperson da sein. Ich schlage Qendrim vor.

Stefan Staub:   Das müssen wir unterstützen. Da muss auch der Quartierverein Hand bieten.

Moderator:  Die Jugendlichen hier brauchen für ihr Projekt einen Götti, einen Türöffner, damit es sich wirklich umsetzen lässt. Könntest du dir das mit deiner Erfahrung  vorstellen, Daniel?

Daniel E.:  Ich bin immer offen für Neues und würde hier gern meine Unterstützung anbieten. Und längerfristig gedacht wäre die Solitüde eine gute Location für Quartier-Anlässe wie Konzerte und Partys.

Hannes Kundert:   Zum Stichwort Solitüde]: Wir sind dran. Unser Ziel wäre es, den Saal neu aufzubauen. Man soll ihn mieten können für verschiedene Anlässe, für Junge und Alte. Zur Zeit ist das aber noch Zukunftsmusik.

 

Moderator: Ich möchte jetzt zur Schlussrunde kommen. Wie habt ihr den Abend empfunden? Was nehmt ihr mit?

Hannes Kundert:   Ich habe ein gutes Gefühl. Der Grundtenor von den hier anwesenden Jugendlichen sagt mir, dass vieles stimmt im Quartier.

Peter Mahler: Ich habe zwei Sachen festgestellt: Zum einen ist da das Beispiel der Bunkers, der aus Eigeninitiative entstanden ist.                               Zum andern, hörte ich von  Qendrim das Votum: „Wärt ihr doch bloss früher auf uns zugekommen!“

Jeannine Oertle:  Ich fand es spannend, euch [Jugendlichen] zuzuhören. Kommt auf mich zu, wenn ihr etwas auf die Beine stellen wollt. Mich hätte es noch interessiert, zu hören, welche Bedürfnisse die Mädchen haben.

Stefan Christen:   Ich finde es gut, dass ihr [Jugendliche] auch bereit seid, mit zu helfen. Es braucht jetzt nichts Grosses, lieber etwas Einfaches, das dafür innert nützlicher Frist zustande kommt. In zwei Jahren seid ihr bereits wieder älter und habt vielleicht ganz andere Bedürfnisse.

Stefan Staub:  Was heute hier entstanden ist, die Idee mit dem Sonntagsfussball finde ich super. Machen wir Nägel mit Köpfen, setzen wir etwas um. Schauen wir, was dann daraus noch entstehen kann. Unser Erfahrungen zeigen, dass Jugendarbeit ein Kommen und Gehen ist. Das liegt in der Natur der Sache. Der Weg ist das Ziel.

Franziska Haller:  Euer Bedürfnis nach einem Angebot speziell am Sonntag kann ich sehr gut verstehen. Das geht mir nicht anders. Am Sonntag ist hier nichts los.

 

„Es wäre schön, wenn wir wieder mal so ein Gespräch zwischen Alt und Jung führen könnten. So können neue Ideen entstehen“ (Semi)

 

Marco:  Es war sehr interessant. Ich wäre froh, wenn das mit dem Fussball zustande kommt. Und wenn es nicht klappt, bleiben wir dran. Irgendwann gibt auch die härteste Mauer nach. Wir sind ein paar verantwortungsvolle Jugendliche, man kann sich auf uns verlassen.

Arber P.:  Ich würde auf jeden Fall auch mithelfen.

Qendrim:  Ich fand es spannend und interessant. Ich hoffe, wir haben Erfolg.

Dario: Sonst sind wir einfach draussen und machen dort irgendeinen Scheiss.

Semi: Es wäre schön, wenn wir wieder mal so ein Gespräch zwischen Alt und Jung führen könnten. So können neue Ideen entstehen und allfällige Konflikte besprochen werden. Beim Turnhallen-Fussball wäre ich auch dabei.

Marianne Kuster: Bei einem nächsten Mal müssten wir die Flyer breiter streuen. Und auch die Mädchen ansprechen. Ich spüre viel Energie von den Jungen. Die soll kanalisiert freigesetzt werden, damit Gutes daraus entsteht.

 

Mitschrift: Wendelin Reinhardt

Die Gesprächsteilnehmer:

Jugendliche:  Quendrim Canmaj, 18, KV-Schüler; Arber Lokaj, 20, Printmedienbearbeiter, Arber P., 19, Logistiker; Marco Longerich, 17, Elektrikerlehrling;  Joël Menet, 14, 3. Real; Dario Stäuble, 15, 3. Real;  Semi Tran, 19, Maler

Eh.Jugendliche:   Daniel Eggenberger, 25, Informatiker, Initiant ehemaliger Jugendtreff Bunker; Stefan Christen, 45, Sozialarbeiter, Leiter Zepra; Fränzi Haller, 31, Radiojournalistin DRS

Quartier:  Alessandro Zuffellato, 34, ehemaliger Leiter Jugendtreff im Pavillon; Jeannine Oertle, 30, kath. Jugendseelsorgerin St. Otmar-Riethüsli;  Hannes Kundert, 45, Unternehmer, Präsident   Quartierverein; Peter Mahler, 44, Jugendseelsorger; Stefan  Staub, 41, kath. Seelsorger.

Redaktion QZ:     Erich Gmünder, 54, Journalist, Moderation; Wendelin Reinhardt, 31, Sozialpädagoge, Aufzeichnung; Marianne Kuster, 56, Pflegefachfrau, Catering.



„Di hütig Jugend!“

„Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

Sokrates (469-399 v. Chr.).

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Von |2017-07-19T15:52:55+00:00Juli 19th, 2017|Jugend|0 Kommentare

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