“Die Stauproblematik könnte zunehmen”

Stadtingenieur Beat Rietmann während der Präsentation an der HV.

Text und Fotos: Erich Gmünder

Nach dem Wegfall des Bahntrassees der AB werden in den nächsten Monaten rund 630 Meter der Teufener Strasse neu gestaltet. Start ist nächste Woche mit den Werkarbeiten. Stadtingenieur  Beat Rietmann informierte an der Hauptversammlung des Quartiervereins am 25. April über die Neugestaltung und deren Ablauf. Er musste zahlreiche Fragen beantworten und teilweise auch Kritik einstecken.

Etappierung in vier Schritten

Vor dem eigentlichen Beginn der Strassenbauarbeiten erfolgen nächste Woche die Werkarbeiten: Die Wasserleitungen und Hausanschlüsse werden erneuert; diese Arbeiten dauern bis Ende Juni. Danach folgen bis Ende November die eigentlichen Strassenbauarbeiten, aufgeteilt in vier Bauetappen A bis D, wobei jeweils zwei parallel erfolgen sollen.

Die vier Bauetappen auf einen Blick: Zeitgleich ausgeführt werden die beiden Bauetappen A und C, Juni bis Ende August. Im September bis November folgen die Etappen B und D, die Abschlussarbeiten erfolgen im Dezember.

Der Deckbelag soll erst während der Ferienzeit im Sommer 2020, unter Vollsperrung an einem Wochenende, eingebaut werden.

Unter Vollbetrieb

Bis auf eine Ausnahme erfolgen die Bauarbeiten im Vollbetrieb: Der Verkehr wird also jeweils in beiden Richtungen an den Baustellen vorbeigeschleust – die Stauproblematik werde sicher in dieser Zeit verschärft auftreten, bestätigte der Stadtingenieur in der anschliessenden Diskussion ein entsprechendes Votum aus der Versammlung.

Doch der Reihe nach. Die erste Etappe, A, umfasst den Bereich vor den Geschäftshäusern und der ehemaligen Post. Damit der Verkehr durchfliessen kann, wandert die Baustelle von der einen auf die andere Seite.

Desgleichen bei der zweiten und dritten Bauetappe, wo der Verkehr ebenfalls während der ganzen Bauzeit zweispurig geführt wird.

Erst bei der letzten Etappe, im Bereich Hochwacht, wird der Verkehr einspurig mit Lichtsignalanlagen geführt. Für Fussgänger bleibt aber auch hier während der ganzen Bauzeit auf beiden Seiten Platz.

Rad- und Gehweg statt Bahntrassee

Im Bereich Hochwacht bis Einmündung Demutstrasse wird der Wegfall des Bahntrassees genutzt, um die Fahrbahn auf 9.60 m zu verbreitern. Für die beiden Fahrspuren stehen je 3.80 m zur Verfügung, dazwischen liegt ein farblich markierter Mehrzweckstreifen von 2 Metern zur optischen Verengung der Strasse, welcher je nachdem als Fussgängerinsel oder zum Einbiegen dient.

Bergwärts führt auf dem ehemaligen Bahntrassee ein kombinierter Rad-Gehweg, aufgelockert mit Baumgruppen. Auf dem Kulminationspunkt vor der Einmündung der Demutstrasse wird der Radfahrer wieder auf die Strasse gelenkt.

Kreuzung mit Lichtsignal statt Passerelle

Im Bereich des T-Knoten bei der Einmündung der Demutstrasse sind drei Fussgängerübergänge vorgesehen, welche mit Lichtsignalen gesteuert werden. Die provisorische Passerelle wird demontiert. Dies soll jedoch erst geschehen, wenn die Fussgängerübergänge mit Lichtsignal in Betrieb sind, wie Beat Rietmann betonte.

Parkplätze im Zentrum

Im südlichen Teil, im Bereich vor den Geschäftshäusern (Schwyter, Postagentur) werden Parkplätze für das Gewerbe zur Verfügung stehen, aufgelockert mit Baumgruppen, und stadteinwärts wird im Bereich der Steigung ein Radstreifen eingebaut. Dafür fehlt hier der Platz für einen Mehrzweckstreifen.

Die Im-Grund-Strasse wird rechtwinklig in die Teufener Strasse geführt, dafür entsteht im Bereich der ehemaligen Post ein kleiner Platz mit einer Baumgruppe.

In der Diskussion wurden verschiedene Fragen und Anregungen diskutiert. So beispielsweise die Idee, das “Tröpfchenverfahren” (Dosieranlage im Bereich Liebegg) zeitlich vorzuziehen. Die Idee sei bestechend, doch leider sei man noch nicht so weit, sagte Beat Rietmann, zudem sei dafür der Kanton Appenzell Ausserrhoden im Lead.

Eine Verschärfung der Stauproblematik ist wahrscheinlich

Zu reden gab vor allem die einspurige Verkehrsführung während der Etappe D, September bis November. Ob diese nicht in die Sommerferien vorgezogen werden könne, wurde gefragt – und ein “Riesenpuff” prognostiziert, wovon nicht nur unser Quartier, sondern durch den Ausweichverkehr auch St. Georgen betroffen wäre.

“Wir müssen das Mögliche veranlassen, dass die Stauproblematik nicht übermässig zunehmen wird”, sagte Beat Rietmann. “Dazu wird die Länge der einspurigen Verkehrsführung so kurz wie möglich gehalten und die Lichtsignale aufeinander abgestimmt.” Es werde aber eher mehr Verkehrsstaus geben – vielleicht würden dann die Automobilisten vermehrt den ÖV benutzen und mit den modernen neuen Zügen der AB direkt an den Bahnhof respektive in die Innenstadt fahren – und die Bahn vielleicht sogar dauerhafte Umsteiger gewinnen, sagte Beat Rietmann mit einem Schmunzeln.

Radfahrer fühlen sich benachteiligt

In der Diskussion wurde kritisiert, dass die Quartierbevölkerung nicht frühzeitig in die Gestaltung einbezogen wurde (Stichwort Quartierpartizipation) und das Projekt nicht frühzeitig und mit adäquaten Mitteln kommuniziert wurde. Mehrfach bedauert wurde auch, dass es stadteinwärts (abwärts) keinen durchgehenden Radstreifen gebe, insbesondere weil in diesem Bereich mehr Radfahrer als Fussgänger unterwegs seien. Radfahrer kämen bei einem Stau nicht an den Autos vorbei und seien gezwungen, auf die Trottoirs auszuweichen, was wiederum aus Fussgängersicht nicht erwünscht ist.

Die Stadt hätte gerne Hand geboten für eine pragmatische Lösung, der Kanton als Strasseneigentümer möchte insbesondere auf solchen Hauptverkehrsachsen “verständlicherweise normgerechte Lösungen realisieren”, sagte Beat Rietmann. Vielleicht liessen sich dessen Fachleute aber noch umstimmen und für eine unkonventionelle Lösung gewinnen, machte er leise Hoffnung.

Von |2019-04-26T14:19:42+00:00April 26th, 2019|Aktuelles, Politik, Quartierverein, Verkehr|0 Kommentare

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